Intensiver Gedankenaustausch über die Strategie der Deutschkurse

22.01.2018

Die deutsche Sprache erlernen - eminent wichtig

ANKOMMEN-Erfahrungen über fünf Jahre Deutschkurse mit geflüchteten Menschen

Als die Deutschkurse des Projektes ANKOMMEN starteten, war von der sogenannten Flüchtlingskrise noch keine Rede. 2014 gründete sich die Initiative nach einem Aufruf des Integrationsbüros der Stadt Saarbrücken. Knapp 30 Menschen meldeten sich. Darunter auch Annette Linneweber, die gleich die Initiative für die Entstehung von Deutschkursen übernahm. Mittlerweile ist sie die Koordinatorin der AG Deutschkurse im Projekt ANKOMMEN. Der Fokus der Kurse hat sich verändert, ihre Notwendigkeit nicht.

Anfangs mussten Flüchtlinge während ihres Anerkennungsverfahrens ein gutes Jahr lang warten, ehe sie an staatlichen Sprachkursen teilnehmen konnten. Verschwendete Zeit, die Annette Linneweber sinnvoll füllen wollte. Zusammen mit fünf, sechs Ehrenamtlichen bot sie in der Sammelunterkunft in Dudweiler täglich Deutschunterricht an. Das Ziel: Den Lernenden Grundlagen beizubringen, die ihnen die alltägliche Kommunikation ermöglichen.

Doch beim bloßen Unterrichten blieb es nicht. Die Deutschkurse des Projekts ANKOMMEN waren schon immer mehr als reine Wissensvermittlung. Die fachfremden ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer aus allen gesellschaftlichen Schichten leisten immer auch Sozialarbeit. Als dann die sogenannte Flüchtlingswelle die Zahl der Lernenden rasant ansteigen ließ, änderte sich die Prämisse der Kurse. „Es ging zu dieser Zeit immer mehr darum, den Flüchtlingen zu erklären, wie und wo sie an notwendige Formulare kommen und diese dann zu übersetzen“, berichtet Linneweber und ergänzt: „Viele unserer Helferinnen und Helfer haben quasi Familienunterstützung geleistet.“ Über das ganze Stadtgebiet waren die Kurse verteilt, in Burbach, Brebach, Malstatt, auf der Folsterhöhe, dem Eschberg, am Rotenbühl, am Rodenhof, aber auch in den umliegenden Ortschaften wie Güdingen, Eschringen, Altenkessel, Klarenthal sind die Stützpunkte aus dem Nichts entstanden. So hat Pfarrer Otto Deutsch eine kleines Netzwerk in Klarental aufgebaut und mit einigen Helfern dort die wichtige Unterstützung geleistet. Ruth und Georg Fox waren seit der ersten Stunde in Burbach mit dabei. Viele Hundert Flüchtlinge sind durch ihre Kurse gegangen und sie sind noch immer mit Feuereifer mit dabei. Jeden Mittwoch treffen sie sich von 16 Uhr bis 17.30 in Burbach und unterrichten Anfänger und Fortgeschrittene in getrennten Gruppen. Zur Zeit sind es 8 syrische Frauen, die sich zum Sprachkurs einfinden, sie bringen dabei ihre Kinder mit, die von einer Erzieherin eigens betreut werden. Georg Fox, uns als großer saarländischer Mundart-Dichter bekannt, führt die Flüchtlinge in seiner Gruppe in die Vorbereitung zu einem Sprachkurs. Die Unterrichtsmaterialien für die Arbeit stellt das Netzwerk ANKOMMEN den „ehrenamtlichen Lehrern“ zur Verfügung. Auch wenn Raumprobleme auftauchen oder schwierige Situationen auftreten, können die Eheleute Fox und auch alle anderen „Deutschlehrer“ auf Alexandra Gravelaar und ihre Mitarbeiter in der Geschäftsstelle in der Nauwieserstraße 52 zurückgreifen. Im fachlichen Bereich stehen mit Martin Zwick, Basma Kaldi und Claudia Brandstetter auch andere ANKOMMEN-Kollegen mit Rat und Tat zur Seite. In der Hochphase des Projekts waren rund 60 Ehrenamtliche im Einsatz, die insgesamt fast 1000 Menschen unterrichteten. 

Mit der Zeit änderte sich das Profil der ANKOMMEN-Kurse erneut. Seither bietet das Team um Annette Linneweber vornehmlich Nachhilfekurse an. In kleinen Gruppen bis hin zum Einzelunterricht kümmern sich die Ehrenamtlichen um jene, die zusätzliche Unterstützung benötigen. „So entstehen natürlich auch persönliche Verbindungen und sogar Freundschaften“, sagt Linneweber und ergänzt: „Es war in der Vergangenheit nicht immer einfach. Aber durch die Dankbarkeit, die uns entgegengebracht wurde und immer noch wird, macht es uns nach wie vor sehr viel Spaß.“ Pfarrer Otto Deutsch aus Klarenthal ist auch schon seit Jahren mit im Einsatz und möchte diese Begegnungen nicht missen.   Die geflüchteten Menschen haben dank der Hilfe der vielen Ehrenamtler wohl die deutsche Sprache für den Umgang vor Ort gelernt, sie haben ggfs. auch eine erste Sprachprüfung mit B1 bestanden. Problematisch ist es, wenn die Flüchtlinge dann in Arbeitsverhältnisse oder Praktika gelangen wollen, bei denen ein fachspezifisches, höheres Sprachniveau wie B2 oder C1 nötig ist. Hier zu Erfolgserlebnissen, also zu vermittelten Einsatzstellen zu kommen, das ist  das viel größere Problem.

Derzeit betreut die Deutsch-AG acht Kurse mit insgesamt rund 100 Teilnehmern, größtenteils Frauen mit Kindern oder Schwangere, die aufgrund ihrer familiären Situation nicht in der Lage sind, die offiziellen Kurse zu besuchen. Immer mit Annette Linneweber im Einsatz ist ihr kleiner Dackel Barny. Er übernimmt hie und da auch die Funktion des Spielkameraden für die ausländischen Kinder. Die größte Herausforderung stellt derzeit die Suche nach Helfern dar, die die Kinder betreuen, während die Mütter lernen. Die Deutschkurse des Projekts ANKOMMEN und zusätzliche Helferinnen und Helfer sind also auch mit neuen Schwerpunkten immer noch sehr gefragt.  Die Dankbarkeit der geflüchteten Menschen für diesen großen Einsatz der deutschen Bürger ist ehrlich und riesig.                                                                                                                                         

----------------------------