08.01.2015

Saarbrücker Netzwerk ANKOMMEN blickt auf erfolgreiches Jahr zurück

Flüchtlingen erste Orientierung geben, Isolation vermeiden, das Ankommen im Saarland menschlich gestalten: das sind die Ziele, die sich das Netzwerk ANKOMMEN gesetzt hat.

Im März 2014 gegründet (auf Initiative einiger Personen, die selbst einmal Flüchtlinge und Migranten waren), zählt das Netzwerk heute 70 aktive Mitglieder aus allen Altersklassen und Berufen, auch Studierenden und Rentnern.
Mehrere hundert Flüchtlinge aus Syrien, Irak und Eritrea, die der Stadt Saarbrücken aus der Landesaufnahmestelle Lebach zugewiesen wurden, haben durch die ehrenamtlichen Helfer vielfältige Unterstützung erfahren. Jetzt ist das Netzwerk an einem Punkt angelangt, wo es sich stärker organisieren muss, um das erreichte Niveau der Hilfe zu halten und das Wachstum zu bewältigen. Denn fast wöchentlich kommen Interessierte hinzu, die ebenfalls ihre Hilfe anbieten. Notwendig ist eine hauptamtliche Koordinierungsstelle, für die noch finanzielle Förderung gesucht wird.
Das Netzwerk ANKOMMEN hat sich deshalb an die Landesregierung gewandt und hofft nun darauf, aus den angekündigten Mitteln für den Aufbau von Ehrenamtnetzwerken in der Flüchtlingsarbeit eine Koordinierungsstelle finanzieren zu können. Weitere Geldgeber, auch private Spender, können sich an der Finanzierung beteiligen.
Das Netzwerk existiert erst seit 10 Monaten. Den Auftakt bildete im März 2014 nach einem Aufruf des Zuwanderungs- und Integrationsbüro (ZIB) der LHS Saarbrücken eine Schulungsreihe mit acht Informationsveranstaltungen: u.a. über das deutsche Asylrecht,  über die Herkunftsländer der Flüchtlinge und ihre Fluchtwege, über den Umgang mit traumatischen Erlebnissen, über Gesundheitsfragen, Sprachdidaktik und die Frage, wie man sich als Netzwerk organisiert.
Am Anfang nahmen rund 30 Freiwillige teil, inzwischen hat sich die Zahl der Mitglieder mehr als verdoppelt. Tendenz: weiter steigend. Das Netzwerk ist organisatorisch eingebettet bei der LAG Pro Ehrenamt und beim ZIB. Neben den monatlichen Treffen haben sich mehrere Arbeitsgruppen gebildet,  die sich speziellen Aufgaben widmen.

Was läuft konkret?  Handlungsfelder und Aktionen

Orientierung geben: Umgebung des Wohnquartiers und die Stadt SB zeigen,  durch die City & zum Rathaus & Stadtbibliothek führen;  Bus und SaarBahn-System in SB erläutern.

Begleitung zu Behörden: Einwohnermeldeamt, Sozialamt, Jobcenter; Übersetzung von Dokumenten, wenn nötig juristischen Beistand organisieren (Kontakt zu Rechtsanwälten herstellen).

Hilfe bei Gesundheitsproblemen: bei Bedarf Termine machen  und zu Ärzten oder Krankenhäusern begleiten.

Sprache: vorläufige Deutsch-Kurse in Kleingruppen in den Übergangswohnheimen; Sprachförderung auch durch Einzelbetreuung (Sprachpaten); Konversationsübungen mit Teilnehmern am Integrationskurs (BAMF).

Soziale Einrichtungen wie Sozialkaufhäuser und Kleiderkammern zeigen; beim Möbelkauf helfen;

Bei der Wohnungssuche helfen: den Wohnungsmarkt erklären, Angebote in suchen, Vermieter oder Makler anrufen und für Verständnis werben; bei  Besichtigungsterminen begleiten, Mietvertrag prüfen;

Sportliche Aktivitäten fördern:  Kontakte zu Sportvereinen herstellen, Mitgliedschaft und Versicherungsfragen klären, zu Sportplätzen und Schwimmhallen führen.

Freizeitaktivitäten organisieren: z.B. ein Grillabend am Staden, ein Kochkurs wurde gestartet; ein Ausflug an die Saarschleife, Besuch des Weihnachtsmarktes.

Berufliche Orientierung: Erklären des Ausbildungssystems in Deutschland;

Hinführen und Zeigen des Berufsinformationszentrums BiZ in der Agentur für Arbeit und der SEAQ (Servicestelle zur Erschließung ausländischer Qualifikationen Saar);

Universität und HTW: Hinführen und Zeigen der Universität: (Tag der offenen Tür), Studierendensekretariat und Studienberatung.

Als Sonderaktionen sind hervorzuheben:

Großes Kennenlern-Fest am 26. Juni 2014 in der Albertstraße Dudweiler: Fußball-WM, Spiele und Tombola an einem Sommernachmittag.

Seit Oktober läuft die Aktion Fahrräder für Flüchtlinge (in Zusammenarbeit mit dem ADFC und DAJC): der öffentliche Aufruf an die Bevölkerung hat zur Meldung von 430 abzugebenden Fahrrädern geführt; diese werden eingesammelt, repariert und fit gemacht – mehrere 100 Stunden freiwilliger Arbeit .

Wie geht es weiter?

Angestrebt wird eine Stärkung der internen Organisation, der Koordination und Kommunikation, die die Transparenz und Effektivität des Netzwerks erhöhen sollen. Neue Mitglieder brauchen eine Anlaufstelle, die sie dort einsetzt, wo Hilfe am nötigsten ist. Das Angebot an Hilfe und die Nachfrage nach Unterstützung müssen noch wirkungsvoller vernetzt werden. Dazu bedarf es einer hauptamtlichen Koordinierungsstelle.

Über eine engere Verzahnung der Aktivitäten mit der Integrationslotsentätigkeit der Verbände (Caritasverband und Diakonisches Werk) wurden erste Gespräche geführt. Sie sollen im Jahr 2015 fortgesetzt werden.

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